Seitelwiese

Nicht weit vom Turnierplatze liegt die so genannte „Seitelwiese“, die der Volksmund nach einer merkwürdigen Begebenheit aus der Mitte des 16. Jahrhunderts so benannt hat.

Diese große, schöne Wiese gehörte neben anderen Grundstücken dem reichen steirischen Gewerken Safner, dessen Hammerwerk in der Schwöbing bei Langenwang lag. Dort stand auch das prächtige Herrenhaus, in dem er mit seiner jungen Frau glücklich und zufrieden hauste; beide ließen täglich viele Seidel Wein durch ihre immer durstigen Kehlen rinnen.

Auch der tiefste Brunnen lässt sich ausschöpfen, und so kam es, dass der Reichtum des Safners mit der Zeit zu Ende ging, zumal er sich in den letzten Jahren um sein Hammerwerk gar nicht mehr kümmerte. Als er dann starb, waren so viele Schulden zu bezahlen, dass die junge, stets trinkfrohe Witwe schließlich nur ein kleines Häuschen mit einer schönen Wiese als Eigentum behalten konnte. Freilich hätte sie davon bescheiden leben können, aber sie konnte das unmäßige Trinken nicht lassen. Viele Seidel Wein rannen noch immer täglich durch ihre Gurgel. Um sich den Wein zu verschaffen, verpfändete sie ihre schöne Wiese an den Burgherrn von Hohenwang. In dem abgeschlossenen Vertrag wurde bestimmt, dass die Witwe täglich aus dem Schärffenberger Schlosskeller so viele Seidel Wein beziehen durfte, als sie vertragen könne. Dafür sollte nach ihrem Tode die Wiese dem Grafen gehören. – Der Vertrag wurde genau eingehalten, die Witwe bekam täglich ihren Wein, und der Graf erbte die schöne Wiese, auf die er nicht zu lange warten brauchte. – Seither heißt die Wiese die „Seitelwiese“.