Die seltsame Brautwerbung

Jeder adelige Bewerber, der um die Hand eines Schärffenberger Ritterfräuleins anhielt, musste vier Proben seiner Tüchtigkeit und Geschicklichkeit ablegen: Er musste Turniersieger werden, vom Maibaum im vollen Galopp ein Siegeskränzlein herabstechen, in voller Rüstung auf seinem Streitpferde den steilen Waldpfad berabsprengen und den mit Wein gefüllten, goldenen Familienbecher in der Hand halten und über den „Sprengzaun“ setzen. Dabei durfte kein Tropfen Wein verschüttet werden.

Es war im Jahre 1550. Ritter Eustach von Schärffenberg hatte drei heiratsfähige Töchter: Ursula, Elisabeth und Felizitas. 50 Ritter sollen sich damals als Bewerber eingestellt haben und daher wurde ein großes Turnier mit den üblichen Kampfspielen veranstaltet. Zwei Ritter waren schon zu Siegern erklärt worden und hatten die Bräute Ursula und Elisabeth erworben. Um die jüngste Tochter, die schöne Felizitas bewarben sich die Ritter Georg von Schärffenberg und Ulrich von Stubenberg, beide geschickte Kämpfer und in den ritterlichen Künsten wohl geübt.

Den Sieg und damit die Hand der schönen Felizitas errang Ritter Georg von Schärffenberg, der nicht bloß im Turnier und Kranzstechen Sieger blieb, sondern auch in voller Rüstung mit dem gefüllten Weinbecher in der Hand den Burgweg hinauf- und herabsprengte und auch im Springen über den Zaun keinen Tropfen Wein verschüttete. Hallende Trompetenstöße verkündeten das Ende des ritterlichen Kampfspieles, und drei glückliche Sieger zogen mir ihren schwer errungenen Bräuten hinauf in die Burg, um das Siegesfest ausgiebig zu feiern.